GRAUE ENERGIE

Was versteht man unter ‘Grauer Energie’?

Als ‘Graue Energie’ wird die Eneregiemenge bezeichnet, die für Herstellung Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes – in unserem Fall zur Errichtung eines Gebäudes – benötigt wird bzw. wurde. Dabei werden auch alle Vorprodukte bis zur Rohstoffgewinnung berücksichtigt und der Energieeinsatz aller angewandten Produktionsprozesse addiert. Wenn zur Herstellung Maschinen oder Infrastruktur-Einrichtungen notwendig sind, wird üblicherweise auch der Energiebedarf für deren Herstellung und Instandhaltung anteilig in die „Graue Energie“ des Endprodukts einbezogen. Die ‘Graue Energie’ ist in unserem Fall somit der indirekte Energiebedarf, der durch Planung und Verwirklichung des Gebäude-Komplexes aufgewendet werden musste bzw. neu aufgewendet werden muss (Herstellungs-Energie). Ganz im Gegensatz zum direkten Energiebedarf bei dessen Benutzung. Der kumulierte Energie-Aufwand (KEA) fasst diese Teilbereiche dann zusammen.

Graue Energie in Hinblick auf Ressourcen- und Umweltschonung

Um zu verhindern, dass eventuelle Gebäude-Abrisse das Klima ruinieren, setzt z. B. die Schweiz schon länger darauf, die ‘Graue Energie’ als Standardgrösse in Ihre Überlegungen bzw. Planungen hinsichtlich der Sanierung oder des Abrisses von bestehenden Gebäuden mit einzubeziehen. So fordern auch neuerdings in Hamburg der Denkmalverein und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) verbindliche Energiebilanzen, um vor einem Abriss und Neubau eines Gebäudes klar zu überprüfen, ob dies ökologisch sinnvoll und vertretbar ist. Ausschlaggebend für solche Forderungen sind dabei die Angaben des Umweltbundesamtes, die belegen, dass mittlerweile 53 Prozent des Mülls und 40 Prozent des Energieverbrauchs und der Treibhausgase in Deutschland aus dem Baubereich kommen.
“8 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes werden allein durch die Herstellung von Zement verursacht”, so die Aussage von Herr Manfred Braasch vom BUND (Hamburg). Und dabei sind freilich alle anderen Baumaterialien oder der Abriss noch gar nicht berücksichtigt.
Frau Kristina Sassenscheidt, Vorsitzende des Denkmalvereins Hamburg, äußerte sich in diesem Zusammenhang so: “Es muss einen Paradigmenwechsel geben. Gebäude dürfen nicht länger Wegwerfprodukte sein.” (Gemäß ‘Hamburger Abendblatt’ vom 08.01.2019).

Auch wir plädieren für das bestmögliche ökologische Vorgehen

Aus diesen Gründen hat sich unser Bündnis ebenfalls auf die Fahnen geschrieben, für ein ökologisch bestmögliches Vorgehen auf dem Kepler-Areal einzutreten. In diesem Zusammenhang fordern wir von der Stadt ein vergleichendes Gutachten zu Abriss/ Neubau und Sanierung, welches die ‘Graue Energie’ – die ‘Erstellungs-Energie’ – auf jeden Fall mit berücksichtigt, bevor finale Fakten durch einen Abriss geschaffen werden.