ÖKOLOGIE

Ist ein Abriss ökologisch sinnvoll?

Um einen Abriss des Kepler-Gebäudes aus ökologischer Sicht fundiert beschließen und damit nachhaltig begründen zu können, müssten aus fachlicher Sicht zu erst einmal die Kosten einer Sanierung in einem Fachgutachten berechnet und den entstehenden Kosten für einen Rückbau des Gebäudes und einem Bau des Interims-ZOB gegenüber gestellt werden. Dabei sollten selbstverständlich auf jeden Fall auch die Energie-Faktoren, wie die ‘Erstellungs-Energie’ bzw. die sogenannte ‘Graue Energie’ berücksichtigt werden.

Bedauerlicher Weise wurde bis dato von der Stadt kein Fachgutachten hinsichtlich einer möglichen Sanierung beauftragt und zu dem weiteren Vorgehen, was auf dem Keplerareal schließlich nach einem Abriss entstehen soll, gibt es derzeit laut Stadt zwar viele Ideen, aber man befindet sich noch in der Ausschreibungs- und Planungsphase bzw. räumt sich dazu gerade eine Denkpause ein (siehe ‘Städtische Planung’). Dies macht zum jetzigen Zeitpunkt eine ökologisch sinnvolle Gegenüberstellung von den zu erwartenden Kosten und den damit ebenso einhergehenden möglichen städtischen Lebensqualität-Einschränkungen der Bürger von Abriss/ Neubau und Sanierung unmöglich.

Unser Bündnis möchte jedoch auf folgende Punkte dringend hinweisen:

Der Abriss dürfte mehrere Millionen an Haushaltsgeldern verschlingen

Der gesamte Abriss wird voraussichtlich eine gewaltige Geld-, Zeit- und Ressourcen-Verschwendung darstellen. Die entstehenden Kosten für den Abriss des Kepler-Baus inklusive Tiefgarage, Geländeauffüllung und Verfestigung des eingebrachten Materials, Herstellung der Oberfläche für den Busbetrieb, sowie der spätere Rückbau des vorläufigen ZOB werden Millionen der Steuerzahlergelder der Stadt verschlingen.

Eine Untersuchung hinsichtlich einer möglichen Sanierung sollte unbedingt nachgeholt werden

Wenn ein Kranker zu Arzt kommt, so versucht der Arzt ihn zu heilen, er bringt ihn nicht um. Beim Kepler-Bau wurden jahrzehntelang keine Bauunterhalts-Maßnahmen durchgeführt, ebenso wie bei den Unibauten aus derselben Bauzeit. Normalerweise wird jeder Eigentümer einer sanierungsbedürftigen Liegenschaft verschiedene Varianten untersuchen, vom totalen Abriss bis zur General-Sanierung und die jeweiligen Kosten berechnen. Für den Kepler-Bau sind solche Untersuchungen nicht bekannt. Im Pachtvertrag zwischen Ev. Pfründestiftung und der Stadt Regensburg ist man davon ausgegangen, dass die Gebäude zurückgebaut werden, um an dieser Stelle das Kongress-Zentrum zu errichten. Insofern hat man logischerweise auf die Untersuchung einer Sanierung verzichtet. Diese sollte aber nun dringend nachgeholt werden.

Die Sanierung sollte kostengünstiger preiswertes Wohnen möglich machen

Die von vielen Regensburgern*innen gewünschten preiswerten Wohnnutzungen können nach der notwendigen Sanierung in dem vorhandenen Gebäudekomplex untergebracht werden. Diese Sanierungskosten dürften weit unter den Neubaukosten bei gleich großer Hauptnutzfläche liegen, besonders wenn man die dann entfallenen Abbruchkosten demgegenüber in Anrechnung bringt.

Man sollte den sozialen Ansatz des Kepler-Baus honorieren und ausbauen

Die Architektur des Keplerbaus muss man nicht mögen. Aber man sollte erkennen welches Potential in diesem Komplex steckt. Hier ging es von Anfang an um mehr, als um preiswertes studentisches Wohnen. Das Besondere an dem Konzept des Architekten Werner Wirsing war der soziale Ansatz. Das Raumprogramm ging bereits in den 1970er Jahren weit über das der damals üblichen Studentenwohnheime hinaus. Hier entstand zum ersten Mal seit der Nachkriegszeit ein kleines Soziales Zentrum mit Versammlungsräumen, Cafe, Aufenthaltsräumen und Läden des täglichen Bedarfs usw.
Es stünde einer sozialdemokratisch regierten Stadt gut an, diesen sozialen Ansatz des Keplerbaus endlich wieder entsprechend zu würdigen und das Gebäude für einen zeitweiligen oder längeren Zeitraum nutzbar zu machen.