SANIERUNG & NUTZUNG

Wie sinnvoll könnte eine Sanierung sein?

Aus baufachlicher Sicht ist eine Sanierung der Gebäude in Stahlbeton-Skelettbauweise durchaus möglich. Man muss es nur wollen. Ein vorbildhaftes Beispiel geben gerade die Gebäude auf dem Regensburger Uni-Campus, die aus der selben Bauzeit stammen und ebenso wie der Kepler-Bau seit über vier Jahrzehnten nicht saniert und renoviert wurden. Die Kosten für die Sanierung sind in einem Fachgutachten zu berechnen und den entstehenden Kosten bei Rückbau des Gebäudes und Bau des Interims-ZOB gegenüber zu stellen.

Wir gehen allerdings von Folgendem aus:

Einem Kosten-Aufwand in Millionenhöhe für einen Abriss und Rückbau

Der gesamte Abriss wird mit ziemlicher Sicherheit eine gewaltige Geld-, Zeit- und Ressourcen-Verschwendung darstellen. Die entstehenden Kosten für einen solchen Abriss des Kepler-Baus inklusive Tiefgarage, Geländeauffüllung und Verfestigung des eingebrachten Materials, Herstellung der Oberfläche für den Busbetrieb, sowie der spätere Rückbau des vorläufigen ZOB werden dabei Millionen von Steuergeldern verschlingen.

Die fehlende Kosten-Analyse für eine Sanierung ist dringend erforderlich

Wenn ein Kranker zu Arzt kommt, so versucht der Arzt ihn zu heilen, er bringt ihn nicht um. Beim Kepler-Bau wurden jahrzehntelang keine Bauunterhalts-Maßnahmen durchgeführt, ebenso wie die Unibauten aus derselben Bauzeit. Normalerweise wird jeder Eigentümer einer sanierungsbedürftigen Liegenschaft verschiedene Varianten untersuchen, vom totalen Abriss bis zur General-Sanierung und die jeweiligen Kosten berechnen. Beim Kepler-Bau sind solche Untersuchungen nicht bekannt. Im Pachtvertrag zwischen Ev. Pfründestiftung und der Stadt Regensburg ist man davon ausgegangen, dass die Gebäude zurückgebaut werden, um an dieser Stelle das Kongress-Zentrum zu errichten. Insofern hat man logischerweise auf die Untersuchung einer Sanierung verzichtet. Diese sollte aber nun nachgeholt werden.

Preiswertes Wohnen könnte bei einer Sanierung wohl kostengünstiger erreicht werden

Die von vielen Regensburger*innen gewünschten preiswerten Wohnnutzungen können nach der notwendigen Sanierung in dem vorhandenen Gebäudekomplex untergebracht werden. Diese Sanierungskosten dürften weit unter den Neubaukosten bei gleich großer Hauptnutzfläche liegen, besonders wenn man die dann entfallenen Abbruchkosten demgegenüber in Anrechnung bringt.

Es ist Zeit die vorhandene soziale Gebäudeplanung endlich gebührend zu würdigen

Die Architektur des Kepler-Baus muss man nicht mögen. Aber man sollte erkennen welches Potential in diesem Komplex steckt. Hier ging es von Anfang an um mehr, als um preiswertes studentisches Wohnen. Das Besondere an dem Konzept des Architekten Werner Wirsing war der soziale Ansatz. Das Raumprogramm ging bereits in den 1970er Jahren weit über das der damals üblichen Studentenwohnheime hinaus. Hier entstand zum ersten Mal seit der Nachkriegszeit ein kleines Soziales Zentrum mit Versammlungsräumen, Cafe, Aufenthaltsräumen und Läden des täglichen Bedarfs usw. Es stünde einer sozialdemokratisch regierten Stadt gut an, diesen sozialen Ansatz des Kepler-Baus zu würdigen und das Gebäude für einen zeitweiligen oder längeren Zeitraum nutzbar zu machen.